Presse
21.05.2013, 13:10 Uhr
Entscheidung des Gemeinderates zur Gemeinschaftsschule
Falsche Berichterstattung im Blaumännle vom 17.05.2013

Leserbrief zum Bericht „Die veränderte Schule“ vom 17.05.2013 im Blaumännle


Es ist schon phänomenal welche hellseherischen Fähigkeiten Frau Hafner hat.
Nicht nur, dass Sie meine Gedanken lesen kann (ich habe mich zu diesem Thema während der Sitzung nicht geäußert), nein noch idealer sind die Fähigkeiten, dass Sie die Gedanken  von Frau Schermaul, die sich überhaupt nicht im Saal befunden, wiedergeben kann – Kompliment!

Es ist richtig, dass die CDU-Fraktion und viele prominente Vertreter von Lehrerverbänden den neuen Schultyp der Gemeinschaftsschule mit „Spaßschule“ kommentiert hat und es ist richtig, dass Herr Bold beim Vortrag unserer Fraktionsmeinung Bedenken gegen diese neue Schulform – nicht  zuletzt, weil bis heute weder ein durchdachtes, eigenständiges Konzept für die Gemeinschaftsschule, noch ein tragfähiges Raumkonzept vorliegt - geäußert hat. Allerdings hat die CDU-Fraktion sehr deutlich herausgestellt, dass Sie die Entscheidung mitträgt, weil wir zum Wohle des Schulstandortes Blaubeuren gar keine andere Alternative haben und wir die Entscheidung der Eltern, die aus unserer Sicht letztlich die Verantwortung für die Zukunft ihrer Kinder haben, akzeptieren. Zudem unterstützt unsere Fraktion die Entwicklung einer offenen Ganztagsschule an der Realschule in Gerhausen.

Ich denke, dass bei einer solchen wichtigen Debatte im Gemeinderat eine fundierte und detaillierte Berichterstattung in der Presse  sehr wichtig ist, um den Leser ordentlich und richtig zu informieren.

Reiner Baur
Fraktionsvorsitzender
der CDU im Blaubeurer Gemeinderat

Die von Hubert Bold für die CDU-Fraktion vorgetragene Fraktionsmeinung können Sie hier nachlesen.
 

Bild: CDU/Christiane Lang

Für unsere Fraktion ist eine positive Entwicklung der Schullandschaft in unserer Stadt von hoher Bedeutung. Das einzige für uns dabei akzeptable Kriterium ist ein System das die Kinder bestmöglich auf möglichst alle Herausforderungen ihres künftigen Lebens vorbereitet und ihnen die bildungsmäßigen Standards vermittelt, die sie in die Lage versetzen sich in einer künftig immer stärker leistungsorientierten Gesellschaft behaupten zu können. Die Gemeinschaftsschule ist aus unserer Sicht der falsche Weg ! Nicht ohne Grund bezeichnen prominente Vertreter von Lehrerverbänden diesen Schultyp als „Spaßschule“. Ein System, das auf dem Prinzip „Lernen, worauf man Lust hat“ aufgebaut ist, ist auch  nach Expertenmeinung  nicht geeignet Schüler adäquat auf die Herausforderungen des Lebens vorzubereiten. Zusätzlich stellt sich für uns die Frage, warum in einem Land wie Baden-Württemberg, das bei Pisa immer auf den vordersten Plätzen zu finden war, ohne Not alles umgekrempelt werden muss. Auch die Kriterien des Wegs hin zur Gemeinschaftsschule sind für uns mehr als fragwürdig. Zwar führt die Politik ständig den Begriff „Kommunale Eigenverantwortung der Schulträger“ im Munde, in der Realität könnte  man dies allerdings auch als Mogelpackung bezeichnen. Wenn nämlich Gemeinschaftsschulen mit einem besseren Lehrerschlüssel und doppelt soviel Geld für Sachmittel ausgestattet werden sind dies ungleiche Wettbewerbsbedingungen gegenüber anderen Schularten. Durch geänderte Rahmenbedingungen (Schulverbünde, Schulbezirke, Wegfall der Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung) wird gegenüber den Eltern und den Schulträgern gleichzeitig der Eindruck vermittelt von der Entwicklung abgekoppelt zu werden, wenn man sich nicht für eine Gemeinschaftsschule entscheidet. Eine Entscheidung pro Gemeinschaftsschule wird zudem dadurch erschwert, dass bis heute weder ein durchdachtes, eigenständiges Konzept für die Gemeinschaftsschule, noch ein tragfähiges Raumkonzept vorliegt. Man hangelt sich an Behelfen entlang.

Diese Bedenken treiben uns um und erschweren uns die Zustimmung zum vorliegenden Beschlussvorschlag.
Auch in der Hoffnung, dass im künftigen Lehrplan der Gemeinschaftsschule auch die großen Dichter und Denker unseres Volkes noch einen gebührenden Stellenwert erhalten, möchte ich ein Zitat Schillers bemühen. In dem Drama :“Die Braut von Messina“ lässt er Isabella sagen:
„Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Trieb“.
Dieses Zitat beschreibt treffend die Motivation für unser Abstimmungsverhalten.

Vor dem Hintergrund, dass
 wir im Grunde gar keine echte Alternative haben (böswillig könnte man diesen Zustand durchaus anders auch treffender beschreiben),
 wir die Entscheidung der Eltern, die aus unserer Sicht letztlich die Verantwortung für die Zukunft ihrer Kinder haben, akzeptieren,
 wir den Schulstandort Blaubeuren angesichts eines aktuellen Mainstreams nicht der Gefahr einer Beschädigung aussetzen wollen,
 wir mit der projektierten Entwicklung der Karl-Spohn-Realschule hin zur Offenen Ganztagsschule – die von uns nachdrücklich unterstützt wird- der Schullandschaft einen weiteren wichtigen Baustein hinzufügen

stimmen wir dem Beschlussvorschlag zu.
Gleichzeitig stellen wir den Antrag, dass diese Erklärung gemäß § 30 Abs. 3 der Geschäftsordnung Bestandteil der Niederschrift wird.