Pressearchiv
24.02.2008, 14:47 Uhr | Copyright Das Blaumännle
Besuch von Elisabeth Jeggle, MdEP
LANDWIRTSCHAFT / ABGEORDNETE DER CDU BESICHTIGEN BIOHOF UND BIOGASANLAGE
Von Bürokratieabbau nichts zu spüren Bauern beklagen hohen Aufwand - Energieerzeugung als zweites Standbein
Die Bürokratie hat überhand genommen. Das haben Landwirte in Gesprächen mit der Europa-Abgeordneten der CDU, Elisabeth Jeggle, und dem CDU-Landtagsabgeordneten und Wahlkreiskandidaten Karl Traub deutlich gemacht.
EVA MENNER
Besuch des Hofes Nägele in Asch
ASCH: Ein Besuch in Asch bei Biolandwirt Werner Nägele und eine Besichtigung der Biogasanlage von Hermann Scheck auf den Hessenhöfen standen am Freitag auf dem Programm der beiden Abgeordneten. Die Resonanz im Vergleich zu anderen politischen Veranstaltungen war gut. Ein Zeichen dafür, dass den Landwirten einiges unter den Nägeln brennt.
"Wir wollen Ihre Meinungen hören, geben Sie uns etwas mit auf den Weg", forderte Karl Traub die Anwesenden auf. Deutliche Worte sprach der Landwirt und frühere CDU-Stadtrat Hans-Jörg Bayer aus Beiningen: "Wir haben die Schnauze voll, seit Jahren spricht man von Bürokratieabbau und nichts passiert!"
Im Großen und Ganzen zeigt sich Biolandwirt Werner Nägele zufrieden, aber auch er wünscht sich weniger Aufwand für die Bürokratie. In den Jahren 2000 und 2001 hat er auf Bio-Landwirtschaft umgestellt. Er hat 33 Milchkühe, baut Weizen, Roggen, Gerste und Mais an, verkauft seine Produkte wie Brot, Mehl und Kartoffeln sowie zugekaufte Milchprodukte auf dem Blaubeurer Markt und ab Hof, erzählte er. Seine Kühe werden nur mit selbst erzeugtem Futter versorgt. Für die Milch bekommt er von der Molkerei 4,5 Cent Bio-Zuschlag. "Eine untere Grenze", wie er meint, mit einem Mehr von 0,5 oder idealerweise 1 Cent wäre ihm schon geholfen.
Auf die Frage, für welchen Stundenlohn er arbeite, antwortete er lieber nicht, sagtee nur, dass er um fünf Uhr in den Stall geht und um acht Uhr heimkommt. Probleme bereitet ihm im Augenblick ein ausgedientes Zementsilo, das er günstig erwerben konnte. Obwohl er gewichtsmäßig nur die Hälfte im Vergleich zur vorherigen Nutzung einfüllen kann, verlange die Genehmigungsbehörde ein statisches Gutachten. "Das kostet dann mehr als das Silo", befürchtet er. Traub versprach Unterstützung, falls Nägele diesen Forderungen wirklich nachkommen müsse.
Weiter ging es auf die Hessenhöfe zu Landwirt Hermann Scheck. Der hat eine Biogasanlage gebaut. "Man hat mir gesagt, wenn wir uns nicht ein anderes Standbein suchen, können wir langfristig nicht überleben", erklärte er. So hat er eine erkleckliche Summe in die Biogasanlage investiert. Günstig ist für ihn, dass er ziemlich sicher Abnehmer für die erzeugte Wärme hat und nicht nur den Strom einspeisen kann. Denn wenn die Gemeinschaft "Die Christliche Gemeinde" auf den Hessenhöfen ihre Pläne verwirklicht, kann er an sie seine Wärme verkaufen.
Auch bei Scheck drückt die Bürokratie. "Wenn man nicht vieles doppelt machen müsste, wäre auch schon etwas geholfen", sagte er. Karl Traub und Elisabeth Jeggle forderten die Landwirte auf, ihnen im Detail die Dinge, die ihnen auf dem Herzen liegen, mitzuteilen. "Wenn wir einen Brief haben von Betroffenen mit genauen Angaben, können wir in den Gremien ganz anders argumentieren", erklärten sie.
Karl Traub ist seit 1996 Abgeordneter der CDU für den Wahlkreis Ehingen. Geboren ist er 1941, wohnt in Hausen am Bussen, ist verheiratet und hat vier Söhne. Im Nebenerwerb bewirtschaftet der Landwirtschaftsmeister mit seiner Familie einen Betrieb. Er ist Bürgermeister der Gemeinde Hausen, seit 1971 Mitglied des Kreistags und er ist Stellvertreter des Landrats.